Der Brand im Wiener Ringtheater 1881

Geschichte des schlimmsten Theaterbrandes aller Zeiten

12.10.2009 Nicole Korzonnek

Im Jahr 1881 brannte das Ringtheater in Wien bis auf die Grundmauern nieder. Wie konnte es zu dieser Katastrophe, die knapp 400 Menschenleben kostete, kommen?

Irgendwie ist es schon eine Ironie des Schicksals, dass am Vormittag des 8. Dezember 1881 im Wiener Ringtheater eine Matinee stattfand, auf der Spenden für die Witwen und Waisen von Polizeibeamten gesammelt wurden. Denn nur ein paar Stunden später sollte das Theater einem schrecklichen Brand zum Opfer fallen, bei dem zahlreiche Menschen hätten gerettet werden können, wenn die Polizei etwas gründlicher vorgegangen wäre. Doch alles der Reihe nach.

Ursache des Theaterbrandes

Am 8. Dezember sollte abends die zweite Aufführung von Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ stattfinden. Die Veranstaltung war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Noch bevor sich der Vorhang aber heben konnte, kam es hinter der Bühne zu einem Unglück. Beim Entflammen der fünf Beleuchtungskästen mit den insgesamt 48 Gasbrennern versagte der pneumatisch-elektrische Anzünde-Apparat. Gas strömte aus und explodierte beim zweiten Zündversuch. Die 30 Prospektzüge, die für die nächsten Vorstellungen benötigt wurden, fingen Feuer. Schnell brannte das gesamte Hinterhaus. Hinzu kam, dass hinter der Bühne eine Seitentür geöffnet wurde. Durch die Zugluft wurden die Flammen nur noch weiter entfacht.

Niemand rettete das Publikum

Das Publikum, das sich inzwischen im Zuschauersaal befand, ahnte von der sich anbahnenden Katastrophe noch nichts, denn das Gebäude wurde zu diesem Zeitpunkt noch nicht evakuiert. Ermittlungen ergaben, dass die Besucher erst geraume Zeit nach Ausbruch des Brandes das Feuer wahrnahmen, weil die Gasbeleuchtung komplett ausgeschaltet wurde. Die Menschen versuchten nun zu flüchten, wobei sie die Notausgänge nicht auf Anhieb finden konnten. Diese wurden nämlich auch durch Gaslampen beleuchtet – die bereits seit Wochen wegen mangelnden Geldes leer waren. Doch auch mit illuminierten Notausgängen hätte die in Panik geratene Menschenmenge das Gebäude nicht verlassen können, da sich die Türen nur nach innen öffnen ließen. Während von hinten die Theaterbesucher gen Ausgang drängten, konnten die Menschen vorne so die Türen nicht aufmachen.

Versagen der Polizei

Inzwischen waren die Polizei und zahlreiche Rettungskräfte am Ringtheater angekommen. Da aber keine Personen aus dem Gebäude flüchteten, nahm man an, dass alle der Feuersbrunst entkommen konnten. Noch heute ist die gerufene Meldung „Alles gerettet!“, die dann erfolgte, ebenso berühmt wie berüchtigt, denn zu diesem Zeitpunkt kämpften noch hunderte Menschen mit ihrem Leben. Sie alle hätten tatsächlich gerettet werden können, wenn die Polizei sich nicht auf ihren Verstand verlassen, sondern einfach nachgeschaut hätte.

Konsequenzen des Theaterbrandes

Natürlich blieb dieser verheerende Theaterbrand, bei dem nach offiziellen Angaben 384 Menschen starben, nicht ohne Konsequenzen. So wurden zum Beispiel die Theaterbauvorschriften umgehend geändert. Seitdem muss jede große Bühne einen eisernen Vorhang besitzen, der im Notfall das Bühnenhaus von dem Zuschauersaal trennt. Requisiten sind nunmehr immer imprägniert, und wenn für eine Inszenierung offenes Feuer auf der Bühne verwendet wird, muss sichergestellt sein, dass es innerhalb von Sekunden gelöscht werden kann. Raucht ein Schauspieler etwa auf der Bühne, dann muss der Aschenbecher immer mit Wasser gefüllt sein. Das sind alles sinnvolle Brandschutzmaßnahmen, von denen wir noch heute profitieren. Für die 384 Menschen, die 1881 starben, kamen sie aber leider zu spät.

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